Wenn die Wirbelsäulenspritzen nicht helfen - Was tun?

Shownotes

Warum helfen Spritzen an der Wirbelsäule manchmal nicht? In dieser Folge erkläre ich die häufigsten Gründe: Die falsche Schmerzquelle wurde behandelt, die Nadel saß ohne Bildkontrolle nicht präzise, der Bandscheibenvorfall ist zu groß, der Schmerz kommt gar nicht von der Wirbelsäule, oder es hat sich ein Schmerzgedächtnis gebildet. Ich zeige Ihnen auch, was danach hilft.

Prof. Dr. med. Christian Woiciechowsky Privatpraxis für Neurochirurgie, Rücken- & Sportmedizin und Schmerztherapie Tauentzienstr. 7B/C 10789 Berlin Tel.: 030 26396480 oder 030 89048503 FAX: 030 263964811 WhatsApp: https://wa.me/message/5XRR2QVMDOZ2J1 email: prof@woiciechowsky.de www.neurochirurgie-berlin.org

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Transkript anzeigen

00:00:00: Guten Tag, guten Abend.

00:00:01: Guten Morgen oder auch gute Nacht!

00:00:03: Je nachdem wo und zu welcher Tages- oder Nachtzeit Sie unseren Podcast hören, willkommen zurück.

00:00:09: Heute sprechen wir über eine Situation die viele von Ihnen kennen und die oft mit großer Enttäuschung verbunden ist.

00:00:16: Sie haben eine Spritze an die Wirbelsäule bekommen – vielleicht sogar zwei oder drei – und die Schmerzen sind geblieben.

00:00:22: Was jetzt?

00:00:24: Bevor wir einsteigen einen kurzer Hinweis in eigener Sache Wenn Sie Fragen zu Ihren Beschwerden haben oder einen Termin in unserer Praxis vereinbaren möchten, rufen sie uns gerne an.

00:00:34: Die Nummer lautet... Lassen Sie mich mit einem Satz beginnen, den ich in meiner Sprechstunde fast jede Woche höre!

00:00:51: Herr Professor, Ich habe schon alles versucht – sogar die Spritzen haben nichts gebracht….

00:00:56: Dahinter steckt oft die Befürchtung, dass jetzt nur noch eine große Operation bleibt oder schlimmer noch das man mit diesen Schmerzen einfach leben muss.

00:01:05: Ich möchte Ihnen heute zeigen, dass beides in den allermeisten Fällen nicht stimmt.

00:01:09: Eine Spritze, die nicht hilft ist kein Endpunkt.

00:01:12: sie ist eine Information und mit dieser Informationen können wir arbeiten.

00:01:17: Zunächst sollten wir klären wovon wir eigentlich sprechen.

00:01:20: Unter dem Begriff Spritze an die Wirbelsäule werden im Alltag sehr unterschiedliche Verfahren zusammengefasst.

00:01:26: Da gibt es die periradikuläre Therapie, die sogenannte PRT bei der ein Medikament gezielt an eine gereizte Nervenwurzel gebracht wird.

00:01:35: Dann die epidurale Injektion, die so genannte PDT, bei der das Medikamente in den Wirbelkanal gegeben wird.

00:01:42: Dann gibt es die Behandlung der kleinen Wirbelgelenke, der Facettengelenke und des Kreuzbein-Darmbeingelangs – also des Iliosacralgelangs.

00:01:50: Und hier möchte ich etwas klarstellen, dass vielen Patienten nicht bewusst ist!

00:01:54: Wir spritzen in unserer Praxis nicht in diese Gelenke hinein wie das zum Beispiel beim Knie ist wo direkt ins Knie gespritzt wird.

00:02:02: Wir spitzen an den feinen Nerven die diese Gelinge versorgen und ihre Schmerzsignale weiterleiten.

00:02:07: wir führen also gezielte Nervenblockaden durch.

00:02:10: Das ist ein wichtiger Unterschied, denn nicht das Gelenk selbst meldet den Schmerz an das Gehirn sondern sein Nerv.

00:02:16: Wenn wir diesen Nerv erreichen können wir den Schmärz präzise ausschalten und gleichzeitig sicher feststellen ob dieses Gelenkt tatsächlich die Ursache ist.

00:02:25: Schließlich gibt es die klassische Quaddl- oder Triggerpunktinjektion in die Muskulatur.

00:02:30: Man kann auch an Nerven spritzen die zwischen Faszienblättern eingeklemmt sind und Schmerzen erzeugen.

00:02:35: Jedes dieser Verfahren zielt auf eine andere Struktur Und genau hier liegt einer der wichtigsten Gründe, warum eine Spritze manchmal nicht wirkt.

00:02:44: Grund Nummer eins ist nämlich – die Spritzen war an der falschen Stelle!

00:02:48: Rückenschmerzen haben selten nur eine einzige Quelle und die Strukturen der Wirbelsäule liegen dicht beieinander.

00:02:54: Eine gereizte Nervenwurzel ein entzündetes Facettengelenk und ein überlastetes Iliosakralgelenk können sehr ähnliche Schmerzen verursachen mit Ausstrahlung ins Gesäß in den Oberschenkel oder sogar bis in die Wade Wenn wir die Nervenwurzel behandeln, der eigentliche Schmerzgenerator aber das Iliosakralgelenk ist.

00:03:13: Dann wird die Spritze wenig bewirken so präzise sie auch gesetzt wurde.

00:03:18: Ich denke dabei an eine Patientin.

00:03:20: nennen wir sie Frau M. Achtundfünfzig Jahre alt Bürokaufrau.

00:03:24: Sie kam mit tiefsitzenden Kreuzschmerzen Die ins rechte Gesäß und in den Oberschenkel zogen.

00:03:30: In der Kernspintomographie sah man Eine leichte Bandscheibenvorwölbung Und so bekamen sie drei Spritzen An die nervenwürzel Ohne nennenswerten Erfolg.

00:03:39: Als wir sie genauer untersucht haben, fiel etwas auf.

00:03:42: Ihre Schmerzen wurden schlimmer wenn Sie sich nach hinten lehnte und dabei zur Seite drehte.

00:03:48: Die Schmerzten wurden besser wenn sie sich nach vorn beugte.

00:03:51: die Beine kribbelten nicht es gab keine Taubheit.

00:03:54: Das ist ein typisches Muster für schmerzhafte Facettengelenke.

00:03:58: Wir haben dann eine diagnostische Blockade an den kleinen Nerven dieser Gelenke durchgeführt Und plötzlich waren die Schmerze für einige Stunden fast verschwunden.

00:04:07: Damit hatten wir den Schmerzgenerator gefunden.

00:04:10: Und das bringt mich zu einem Punkt, der mir besonders wichtig ist.

00:04:14: Eine Spritze ist nicht nur eine Behandlung – sie ist auch ein diagnostisches Werkzeug!

00:04:20: Wenn wir einen Betäubungsmittel gezielt an eine Struktur bringen und der Schmerzen verschwindet, dann wissen wir diese Struktur ist beteiligt.

00:04:28: Wenn der Scherz bleibt, wissen wir ebenfalls etwas nämlich dass wir wahrscheinlich woanders suchen müssen.

00:04:34: Deshalb bitte ich meine Patientinnen und Patienten immer, nach einer Spritze ein kleines Schmerztagebuch zu führen.

00:04:40: Wie stark ist der Schmerz eine Stunde danach?

00:04:43: Nach vier Stunden am nächsten Tag – nach einer Woche!

00:04:46: Auf einer Skala von null bis zehn.

00:04:49: Diese Notizen sind für uns Gold wert, denn sie unterscheiden eine Spritzen die gar nicht gewirkt hat, von einer, die kurz gewirkte.

00:04:56: Und das sind zwei völlig verschiedene Aussagen.

00:04:59: Grund Nummer Zwei Die Spritze wurde ohne Bildsteuerung gesetzt.

00:05:04: Gerade bei Injektionen an Nervenwurzeln oder an die feinen Nerven der Facettengelenke und des Iliosacralgelenks ist es entscheidend, dass die Nadel tatsächlich dort ankommt wo sie hin soll.

00:05:15: Diese Nerven sind nur wenige Millimeter dick und verlaufen an ganz bestimmten Punkten am Knochen.

00:05:20: Unter Röntgen- oder Computertomographiekontrolle können wir das Medikament millimetergenau platzieren und sogar mit einem Kontastmittel sichtbar machen wie er sich verteilt.

00:05:30: Eine Injektion, die nach Tastbefund in den Rücken gegeben wird kann durchaus kurzfristig die Muskulatur entspannen.

00:05:37: Aber sie erreicht die tiefen Strukturen häufig nicht!

00:05:40: Wenn Sie also bisher Spritzen bekommen haben ohne dass dabei ein Bild gemacht wurde dann ist das Kapitel Injektionstherapie für Sie möglicherweise noch gar nicht richtig aufgeschlagen.

00:05:50: Grund Nummer drei – Die Erwartung bei einer anderen.

00:05:53: Viele Patienten gehen davon aus, dass eine Spritze das Problem dauerhaft löst.

00:05:58: Tatsächlich ist das Ziel der meisten Injektionen, eine Entzündung zu beruhigen und ein Zeitfenster zu öffnen.

00:06:04: Ein Zeitfenstern in dem sie sich wieder besser bewegen – indem Physiotherapie möglich wird, in dem der Körper die Chance bekommt, sich zu erholen.

00:06:12: Bei einem frischen Bandscheibenvorfall reicht dieses Zeitfenste oft aus denn ein großer Teil der Vorfälle kann vom Immunsystem beseitigt werden.

00:06:20: Sie lösen sich förmlich auf Bei einer verschleißbedingten Erkrankung wie der Arthrose, der Facettengelenke oder einer Spinalkanalstenose.

00:06:28: dagegen ist eine Spritze meist eine Überbrückung.

00:06:31: Keine Heilung!

00:06:32: Wenn die Wirkung nach einigen Wochen nachlässt heißt das also nicht dass die Spritzen versagt hat.

00:06:37: es heisst dass wir eine nachhaltigere Strategie brauchen.

00:06:41: Grund Nummer vier Das mechanische Problem ist zu groß.

00:06:45: Eine Spritzel kann eine Entzündung beruhigen etwas Abschwellungen bringen aber sie können keinen Platz schaffen.

00:06:51: Wenn ein Bandscheibenvorfall so groß ist, dass er die Nervenwurzel regelrecht einklemmt oder wenn ein Stück Bandsscheibe abgerissen und in den Wirbelkanal gewandert ist – wir sprechen dann von einem Sequester.

00:07:02: Dann kann das Medikament zwar die Reizung lindern, der Druck aber bleibt!

00:07:06: Gleiches gilt für eine ausgeprägte Einengung des Wirbel-Kanals, die Spinal-Kanalsthenose über die wir in einer früheren Folge ausführlich gesprochen haben.

00:07:15: Erinnern Sie sich an das Bild vom Gartenschlauch auf dem jemand steht?

00:07:18: Sie können den Schlauch pflegen, so viel sie wollen.

00:07:21: Solange der Fuß darauf bleibt, fließt das Wasser nicht.

00:07:24: Dann kann es auch sein, dass das Lokal-Anästhetikum die Struktur nicht erreicht und deshalb den Schmerz nicht

00:07:29: blockiert.".

00:07:30: Hier denke ich an einen Patienten Herrn K., vierundflotzig Jahre alt Handwerker und begeisterter Freizeitfußballer.

00:07:38: Er hat er seit sechs Wochen heftige Schmerzen im linken Bein, die bis in die Fußsohle zogen.

00:07:43: Im älteren MRT ein Bandscheibenvorfall, der auf den Nerven drückt.

00:07:47: Zwei Spritzen an die Nervenwurzel, die von einem Kollegen gemacht wurden, brachten vorübergehend Besserung.

00:07:52: Aber dann kamen die Schmerzen stärker zurück.

00:07:55: Bei der Untersuchung fiel auf dass er auf der linken Seite nicht mehr richtig auf den Zehnspitzen stehen konnte.

00:08:00: Der Achilles-Szenenreflex war abgeschwächt.

00:08:02: Das sind Zeichen dafür das der Nerv nicht nur gereizt sondern bereits in seiner Funktion beeinträchtigt ist.

00:08:08: Die Kernspin-Tomographie zeigte daß der Bandscheibenvorfall sich vergrößert hatte.

00:08:13: In diesem Fall wäre es nicht sinnvoll gewesen, weitere Spritzen zu geben.

00:08:17: Wir haben den Vorfall endoskopisch entfernt über einen Hautschnitt von weniger als einem Zentimeter.

00:08:22: Herr K ist am selben Tag aufgestanden.

00:08:24: die Beinschmerzen waren weg und die Kraft kam in den folgenden Wochen zurück.

00:08:29: Wenn Sie unsere Folge über die endoskopische Bandscheigemoperation gehört haben, in der wir den Zugang von hinten durch das Wirbelbogenfenster und den Zuggang von der Seite verglichen haben, dann wissen sie wie schonend diese Eingriffe heute sein können.

00:08:43: Wichtig ist mir aber – eine Operation kommt nicht deshalb infrage weil die Spritze nicht geholfen hat!

00:08:49: Sie kommt infrage wenn der Befund im Bild, die Beschwerden und die Untersuchung zusammenpassen und ein mechanisches Problem zeigen dass sich anders nicht lösen lässt.

00:08:59: An dieser Stelle möchte ich Sie noch einmal einladen.

00:09:02: Wenn Sie sich in einer dieser Situation wieder erkennen, wenn sie schon Spritzen bekommen haben und nicht wissen wie es weitergehen soll dann lassen Sie uns gemeinsam auf Ihre Befunde schauen.

00:09:12: Hufen Sie uns an unter Nulldreinull, ZweiSechsDrei, NeunsechsVier, AchtNull Noch einmal Null DreiNull, zweiSechSdrei, neunsechsVier achTnull.

00:09:23: Kommen wir zu Grund Nummer fünf und der wird häufig übersehen.

00:09:27: Der Schmerz kommt gar nicht von der Wirbelsäule.

00:09:30: Das klingt überraschend, ist aber gar nichts so selten!

00:09:33: Der Körper unterscheidet bei der Schmerzwahrnehmung nicht immer sauber und so können Erkrankungen ganz anderer Organe Rücken- oder Beinschmerzen vortäuschen.

00:09:42: Ein klassisches Beispiel ist das Hüftgelenk.

00:09:45: Ein Herr S., siebenundsechzig Jahre alt, kam zu uns mit Schmerzen in der Leiste und im Vorderen Oberschenkel.

00:09:51: Er hatte bereits mehrere Spritzen an die Ländenwirbelsäule bekommen, weil im Bild eine Verengung zu sehen war.

00:09:57: Und solche Verengungen findet man in diesem Alter bei sehr vielen Menschen – die Spritze halfen nicht!

00:10:03: Bei der Untersuchung zeigte sich, dass die Innendrehung der Hüfte stark eingeschränkt und schmerzhaft war.

00:10:08: Eine einfache Röntgenaufnahme bestätigte eine fortgeschrittene Hüftartrose.

00:10:13: Nach dem Einsatz eines künstlichen Hüfftgelängs waren die Beschwerden verschwunden ohne das wir jemals an der Wirbelsäulen operieren mussten.

00:10:21: Weitere Ursachen, an die wir denken müssen sind durch Blutungsstörungen der Beine.

00:10:25: Die sogenannte Schaufensterkrankheit.

00:10:27: Sie kann eine Spinalkanalsthenose täuschend echt nachahmen Denn in beiden Fällen müssen die Betroffenen nach einer gewissen Gehstrecke stehen bleiben.

00:10:35: Der Unterschied?

00:10:36: Bei der Durchblutungs- störung reicht oft einfaches Stehenbleiben.

00:10:40: bei der Sthenose müssen sich die Patienten meist hinsetzen oder nach vorne beugen.

00:10:44: In unserer Folge über Wadenschmerzen haben wir diese Abgrenzung ausführlich besprochen.

00:10:49: Dazu kommen Nervenschäden in den Beinen, etwa bei Diabetes.

00:10:52: Einklemmungen des Ishias-Nervs im Gesäß durch den birnenförmigen Muskel – das sogenannte Piriformes-Syndrom.

00:10:59: Erkrankungen der Nieren, der Bauchorgane oder – und das ist zum Glück selten – Tumoren und Entzündung der Wirbelkörper.

00:11:06: Deshalb gilt, wenn eine gut gesetzte Spritze an der richtigen Stelle nicht hilft müssen wir den Blick weiten und die Diagnostik vorantreiben.

00:11:14: Denn jeder Schmerz hat eine Ursache!

00:11:16: Und jeder braucht gereizte Nerven, die wir finden müssen.

00:11:19: Grund Nummer sechs ist vielleicht der wichtigste von allen und er betrifft Menschen deren Schmerzen schon sehr lange bestehen.

00:11:26: Wir wissen heute dass sich das nervensystem verändert wenn schmerzen über monate oder jahre anhalten.

00:11:32: Die Nervenzellen im rücken markt und im gehören werden empfindlicher.

00:11:36: sie reagieren auf reize die eigentlich gar nicht schmerzhaft sein sollten.

00:11:40: wir sprechen von einer zentralen sensibilisierung Oder auch von einem schmerzz Gedächtnis.

00:11:45: Stellen Sie sich eine Alamanlage vor, die so empfindlich eingestellt ist dass sie schon losgeht wenn eine Katze am Fenster vorbei läuft.

00:11:53: Typisch für diese Situation ist das die Schmerzen sich ausbreiten, dass sie wandern, dass Berührung unangenehm wird, dass Schlaf Stimmung und Stress einen großen Einfluss haben.

00:12:04: Das bedeutet ausdrücklich nicht dass die schmerzen eingebildet sind.

00:12:08: Sie sind real!

00:12:09: Sie haben eine körperliche Grundlage im Nervensystem aber sie brauchen eine andere Behandlung.

00:12:15: Damit kommen wir zur entscheidenden Frage.

00:12:18: Was können wir tun?

00:12:19: Ich möchte Ihnen die Möglichkeiten in einer logischen Reihenfolge vorstellen, so wie wir sie auch in der Praxis angehen.

00:12:26: Der erste Schritt ist immer noch einmal ganz von vorne zu beginnen – eine gründliche Befragung, eine sorgfältige körperliche Untersuchung und ein kritischer Blick auf die Bilder!

00:12:43: Manchmal ist die Kernspintomographie schon älter und der Befund hat sich verändert.

00:12:47: Manchmal fehlen Funktionsaufnahmen, also Röntgenbilder im Vorbeugen oder zurückbeugen, die eine Instabilität sichtbar machen können.

00:12:55: In unserer Folge über die Wirbelsäuleninstabilität haben wir besprochen, warum ein Bild im Liegen genau diese Instabilität verbergen kann.

00:13:03: Und manchmal passen Bild- und Beschwerden schlicht nicht zusammen – dann müssen wir weiter suchen!

00:13:09: Zumal muskuläre und fasziale Ursachen nicht immer in der Standarddiagnostik zu sehen sind.

00:13:14: Da hilft manchmal die Thermografie, die uns Areale mit Überwärmung zeigt als Hinweis auf erhöhten Muskeltonus oder die Ultraschallelastographie, wie uns verhärtete Muskelgebiete zeigen kann.

00:13:26: Der zweite Schritt ist die gezielte Diagnostika mit Testblockaden Wenn wir den Verdacht haben dass die Facettengelenke oder das Iliosakralgelenk die Schmerzen verursachen führen wir eine Nervenblockade durch.

00:13:39: Ich betone es noch einmal.

00:13:40: Wir spritzen nicht in das Gelenk, sondern unter Bildkontrolle an die Stellen wo Schmerznerven sind, die dieses Gelenkt versorgen – mit einer sehr geringen Menge Betäubungsmittel!

00:13:51: Bei den Facettengelenken sind das die sogenannten medialen Äste bei dem Iliosakralgelenk die seitlichen Äste der Spinalnerven, die aus dem Kreuzbein austreten Bessert sich der Schmerze deutlich?

00:14:03: Idealerweise um mindestens die Hälfte.

00:14:05: dann haben wir einen klaren Hinweis.

00:14:08: Und dann kommt der dritte Schritt, der für viele Patienten eine echte Wende bedeutet.

00:14:13: Die Radiofrequenztherapie – auch Thermo-Koagulation oder Denervierung genannt.

00:14:18: Dabei wird über eine feine Sonde Hitze an genau die Nerven abgedeben, die wir zuvor bei der Nervenblockade getestet haben so dass die Weiterleitung der Schmerzsignale unterbrochen wird.

00:14:29: Es ist wie ein durchgeschmortes Kabel!

00:14:31: Die Gelenke selbst werden dabei nicht verändert nur ihre Schmerzzleitung wird unterbrochene.

00:14:36: Die Wirkung hält häufig viele Monate, nicht selten ein Jahr oder länger an und der Eingriff kann bei Bedarf wiederholt werden.

00:14:44: Frau M., von der ich vorhin erzählt habe hat genau diesen Weg genommen – heute geht sie wieder ohne Pause einkaufen und macht zweimal in der Woche Rückentraining!

00:14:53: Für Nervenwurzelschmerzen gibt es eine Variante dieser Technik die gepulste Radiofrequenz.

00:14:59: Hier wird der Nerv nicht ausgeschaltet sondern durch kurze elektrische Impulse in seiner Schmerzverarbeitung moduliert.

00:15:06: Über diese Methode haben wir eine eigene Folge gemacht, im Zusammenhang mit Schmerzen die nach einer Bandscheibenoperation zurückbleiben.

00:15:13: Gerade bei Patienten, bei denen Cortison-Spritzen nur kurz geholfen haben ist die gepulste Radiofrequenz eine wertvolle Option.

00:15:21: Der vierte Schwit betrifft die Fälle in denen ein mechanisches Problem vorliegt – ein großer Bandschreibenvorfall, eine deutliche Einengung des Wirbelkanals oder der nerven Austrittsöffnungen.

00:15:32: Hier stehen uns heute minimalinvasive endoskopische Verfahren zur Verfügung, mit denen wir den Nerv gezielt befreien können ohne die Stabilität der Wirbelsäule zu beeinträchtigen.

00:15:43: Und wenn tatsächlich eine Instabilität vorliegt – also ein Wirbel auf dem anderen gleitet und sich bei Bewegung verschiebt -, dann kann auch eine Stabilisierung notwendig werden!

00:15:53: Diese Entscheidung treffen wir aber niemals leichtfertig und niemals nur auf Grundlage eines Bildes….

00:15:59: Der fünfte Schwit richtet sich an Menschen mit chronischen Schmerzen und einem sensibilisierten Nervensystem.

00:16:05: Hier ist die multimodale Schmerztherapie der Goldstandard.

00:16:09: Das bedeutet, dass verschiedene Fachleute zusammenarbeiten – Ärzte, Physiotherapeuten, Psychologen und Sporttherapeuten.

00:16:17: Gemeinsam arbeiten sie daran, die Alamanlage wieder richtig einzustellen!

00:16:21: durch dosierte aktive Bewegung, durch Strategien im Umgang mit Schmerz und Stress.

00:16:27: Durch eine Verbesserung des Schlafs – und manchmal durch Medikamente die gezielt auf die Schmerzzerarbeitung in Nervensystem wirken.

00:16:34: Diese Behandlung erfordert Geduld aber die Ergebnisse sind oft beeindruckend!

00:16:39: Ich erinnere mich an eine Patientin Frau B., fifty-two Jahre alt, die seit über vier Jahren Rückenschmerzen hatte.

00:16:47: Sie hatte unzählige Spritzen bekommen, war zweimal operiert worden und hatte das Vertrauen in jede Behandlung verloren.

00:16:54: Nach einem multimodalen Programm kombiniert mit regelmäßigem Training sagte sie mir bei einem Kontrolltermin einen Satz den ich nicht vergessen habe Die Schmerzen sind nicht ganz weg aber sie bestimmen nicht mehr mein Leben.

00:17:07: Genau das ist oft das realistische und gleichzeitig sehr wertvolle Ziel.

00:17:11: Und schließlich gibt es für eine kleine Gruppe von Patienten mit schweren, anders nicht behandelbaren Nervenschmerzen die Möglichkeit der Rückenmarkstimulation.

00:17:21: Dabei wird eine dünne Elektrode in den Raum hinter dem Rückenmarkt eingebracht, die mit sanften elektrischen Impulsen die Schmerzwalterleitung verändert.

00:17:30: Vor der endgültigen Implantation wird das Verfahren immer zunächst in einer Testphase ausprobiert so dass sie selbst erleben können ob es ihnen hilft.

00:17:38: Eines möchte ich Ihnen zum Abschluss noch besonders ans Herz legen.

00:17:42: Achten Sie auf Warnzeichen!

00:17:44: Wenn sie eine zunehmende Schwäche im Bein bemerken, wenn der Fuß beim Gehen hängen bleibt, wenn sie Taubheit im Bereich des Gesäßes oder der Genitalien spüren oder wenn Probleme beim Wasser lassen und beim Stuhlgang auftreten dann ist das kein Fall für die nächste Spritze.

00:17:59: Dann müssen Sie sofort ärztlich untersucht werden – im Zweifel in einer Notaufnahme.

00:18:04: Ebenso sollten Fieber ungewollter Gewichtsverlust oder nächtliche Schmerzen, die sich in keiner Position bessern immer abgeklärt werden.

00:18:13: Lassen Sie mich die wichtigsten Gedanken dieser Folge noch einmal zusammenfassen!

00:18:17: Wenn eine Spritze an der Wirbelsäule nicht hilft, dann kann das daran liegen dass die falsche Struktur behandelt wurde?

00:18:23: Dass die Injektion ohne Bildkontrolle gegeben wurde?

00:18:27: Das die Erwartung an eine dauerhafte Heilung zu hoch war?

00:18:30: Dass ein mechanisches Problem vorliegt das Platz statt Medikamente braucht Dass der Schmerz gar nicht von der Wirbelsäule kommt oder dass sich das Nervensystem durch lange Schmerzen verändert hat.

00:18:41: Jede dieser Ursachen hat ihre eigene Lösung und deshalb ist eine nicht wirksame Spritze kein Grund zur Resignation, sondern der Anlass noch einmal genau hinzuschauen!

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