Wirbelsäulenversteifung - Horror oder Hilfe
Shownotes
Prof. Dr. med. Christian Woiciechowsky Pivatpraxis für Neurochirurgie, Rücken- & Sportmedizin und Schmerztherapie Tauentzienstr. 7B/C 10789 Berlin Tel.: 030 26396480 oder 030 89048503 FAX: 030 263964811 WhatsApp: https://wa.me/message/5XRR2QVMDOZ2J1 email: prof@woiciechowsky.de www.neurochirurgie-berlin.org www.kreuzschmerzen.org
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00:00:00: Guten Morgen, guten Tag, guten Abend. Schön, dass Sie wieder da sind bei unserem Podcast "Rückgeschmerzen verstehen, Rückgeschmerzen beheben".
00:00:08: Hier geht es um echte Erfahrung, weil es über 35 Jahre im Praxis, verständlich, klar und nahm Patientinnen.
00:00:16: Ich erkläre Ihnen, wie man Rückenschmerzen richtig einordnet, worauf Sie achten sollten und welche Therapien wirklich helfen. Bleiben Sie dran.
00:00:28: Bei unserem heutigen Podcast geht es um die Versteifung an der Wirbelsäule "Horror oder Hilfe".
00:00:35: Der Begriff Versteifung ist meiner Meinung nach nicht ganz optimal gewählt. Ich werde mal im weiteren Verlauf darauf zurückkommen und erklären, warum.
00:00:44: Aber zunächst ist es klare Tatsache und es ist ein allgemeiner Begriff.
00:00:49: Wenn der Patient zum Arzt kommt und der Arzt dann ihm eröffnet, das müssen wir jetzt hier versteifen.
00:00:57: Oder er sagt, das müssen wir hier festmachen oder verschrauben oder verplatten.
00:01:03: Das sind Begriffe, die dann gleich zu einer extremen Dramatik führen.
00:01:08: Jeder kennt vielleicht jemanden oder hat von einem anderen gehört, der jemanden kennt, der schon mal eine solche Operation hatte.
00:01:17: Und dann weiß man natürlich gleich von irgendwelchen Horrormeldungen, wo es demjenigen hinterher schlechter ging.
00:01:24: Als Vorher oder Patient hat schon mal ein Internet recherchiert und da in irgendwelchen Newsgroups erfahren, dass das Ganze also nicht viel bringt und Gottes Willen nur nicht machen lassen.
00:01:34: Ich will versuchen, das Ganze etwas differenzierter darzustellen und dann dem Einzelnen auch ein bisschen Hilfestellung zu geben bei seiner Entscheidung.
00:01:43: Wenn vor ihm die Frage steht, soll ich mich an der Wirbelsäule operieren lassen und soll das Ganze mit einer Stabilisierung erfolgen.
00:01:52: Tatsache ist schon, dass an der Wirbelsäule zu viel operiert wird.
00:01:56: Das hatte ich bereits in der Episode "Zweitmeinung" erläutert. Die Zahlen sind eindeutig. Wir hatten 2006 97.000 Eingriffe an der Wirbelsäule und 2020 waren es bereits 735.000.
00:02:13: Das heißt eine 7,5-Fache Steigerung.
00:02:15: Das läuft nicht parallel mit der Altersstruktur. Was häufig so besagt wird, ja, wir operieren mehr, weil wir einfach mehr ältere Patienten haben und dann werden diese Eingriffe einfach notwendig.
00:02:27: Weil wenn wir uns anschauen, 70-Jährige gab es 1998 Millionen und 2023 13,5 Millionen, das ist ja eine Steigerung lediglich um das 1,6-Fache.
00:02:41: Was sind jetzt die Ursachen für diese hohen Zahlen an Wirbelsäule-Aparationen?
00:02:48: Meiner Meinung nach ist es ein Überangebot an Krankenhausbetten.
00:02:53: Das hatte ich bereits auch in dem Podcast "Zweitmeinung" dargestellt, dass in Deutschland die meisten Krankenhausbetten, die 100.000 Einwohner vorhanden sind, verglichen mit den anderen EU-Staaten.
00:03:05: Und natürlich klar, wenn eben diese vielen Krankenhausbetten da sind, dann stehen natürlich die Krankenhäuser und der wirtschaftlichen Druck auch diese Betten auszulasten, weil sie müssen ja irgendwie ihre Mitarbeiter bezahlen.
00:03:18: Das zweite ist halt, dass die Krankenhäuser lukrative Entgelte bekommen für besonders aufwendige Operationen.
00:03:27: Deshalb werden häufig auch dann die Operationssäle aufgerüstet mit modernster Technik, Robotik, interpretatives CT, Navigation.
00:03:37: Also es wird viel investiert.
00:03:39: Das führt natürlich dazu, dass man eher weg von kleinen Eingriffen hin zu großen komplexen Eingriffen mit viel Technik und viel Aufwand geht, weil die einfach lukrativer vergütet werden.
00:03:53: Und man kann schon sagen, dass je größer das Krankenhaus, je besser die Ausstattung, desto komplexer die Eingriffe, die dann durchgeführt werden.
00:04:03: Man ist irgendwie weg vom KISS-System, was ich sehr liebe.
00:04:07: KISS bedeutet "Keep it simple and stupid".
00:04:10: Das heißt, suche nach der einfachen Lösung.
00:04:13: Das gilt nicht nur in der Wirbelsäulen-Chirurgie, sondern auch bei vielen Situationen im Leben, dass man versuchen sollte, erstmal eine einfache Lösung zu finden, bevor man eben zu den Komplizierten übergeht.
00:04:27: Aber irgendwie ist ja klar, wenn ich einen hochmodernen OP habe, mit vielen, vielen neuen Tools, die sehr komplex sind.
00:04:35: Das ist so, wie wenn ich plötzlich ein Ferrari bekomme, dann wähle ich auch meinen Weg nach Hause vielleicht mal etwas weiter und fahre noch mal 30, 40 km extra, um einfach den Fahrspaß zu haben.
00:04:47: Und wenn ich dann dafür noch irgendwie mehr Geld bekomme, dann ist bei, zumindest bei Entscheidungen, die auf der Schwelle stehen, dann der Trend eben zu den etwas komplexeren Eingriffen.
00:04:59: Das führt natürlich auch verglichen mit dem Hammer. Ja, wenn ich einen Hammer bekommen habe, dann schlage ich auf alles ein, was halbwegs aussieht wie eine Nage.
00:05:07: Deshalb gab es schon mal Überlegungen, einen anderen Ansatz zu machen, das bedeutet "Pay for performance".
00:05:13: Das heißt, entgellt wird entsprechend der Wirksamkeit bzw. entsprechend den Therapiergebnis gezahlt und nicht nach dem Aufwand.
00:05:21: Das heißt, wenn ich ein Problem mit wenig Aufwand löse, bekomme ich das gleiche Geld, als wenn ich ein Problem mit sehr sehr viel Aufwand löse.
00:05:31: Damit zwinge ich ja schon automatisch jeden dazu, nach der möglichst einfache Lösung zu suchen, die letztendlich mich auch, oder das kann aus wenig Geld kostet, aber eben zu dem gleichen Ergebnis dafür.
00:05:45: Das zweite ist auch, die viele Diagnostik gemacht wird. Wir haben ja irgendwie ca. 12 Millionen MRTs pro Jahr.
00:05:54: Und das bedeutet natürlich, je mehr ich untersuche, dann werde ich auch einiges finden.
00:06:01: Und dann kann ich natürlich schon auch aus dem, was dann in MRT-Bildern oder Röntgenbildern oder CT-Bildern gesehen wird, eine Operationsindikation machen,
00:06:12: ohne dass ich vielleicht diffizil danach schaue, ob das Bild irgendwie auch zur Symptomatik des Patientinnen passt.
00:06:20: Ich orientiere mich zu sehr an Bildern. Und das sollte schon, sagen wir mal, einen Patienten aufhorchen lassen, wenn ja ihr wenig untersucht hört,
00:06:29: aber irgendwie gleich nach dem ein Bild gesehen wird, wie Schlussverwörmung kommt.
00:06:34: Ja, ich glaube, das müssen wir jetzt mal hier versteifen.
00:06:37: Wir sollten sofort die Alarmglocken, Leuten, die drehen heulen und die rundum leuchten, aufgehen und sich drehen.
00:06:43: Und dann wäre wahrscheinlich schon sinnvoll, sich mal eine zweite Meinung zu holen.
00:06:48: Wie gesagt, der wirtschaftliche Druck, die eben die Krankenhäuser ausgesetzt sind, ist nicht zu unterschätzen.
00:06:54: Wir haben ja eben, das habe ich ja schon ausgeführt, eine hohe Dichte an Krankenhäusern.
00:06:58: Das Problem ist ja halt, dass eben sehr viele Krankenhäuser wirtschaftlich zu kämpfen haben.
00:07:03: Entsprechend dem Krankenhausreport von 2024 waren 56 Prozent der Krankenhäuser in den roten Zahlen.
00:07:11: Und sie hatte nur eine Legitität für die nächsten zwei Wochen.
00:07:16: Das muss man sich mal vorstellen. Geld nur für die nächsten zwei Wochen.
00:07:19: Also man lebt sozusagen von der Hand in den Mund.
00:07:23: Da ist natürlich schon klar, dass in jeder Sitzung dann halt geguckt wird, welche Fachrichtung bringt gute Zahlen,
00:07:31: wo kommt das meiste Geld rein, wo kommt weniger Geld rein.
00:07:36: Und dann sind natürlich diese entsprechenden Fachrichtungen gepusht.
00:07:40: Die stehen natürlich in Konkurrenz zueinander, weil natürlich auch da stehen dann eben Bettenreduktionen, die dann umgelagelt werden.
00:07:48: Also sehr, sehr viele komplexe Dinge, die den Wettbewerb stehen und die darauf ausgerichtet sind,
00:07:54: dass eben bestimmte Leistungen im Vordergrund gestellt werden, die eben besonders gute Entgelte bringen.
00:08:03: Und das sind nun leider eben auch die Wirbelsäulen-Eingriffe,
00:08:07: wodurch eben auch viele Krankenhäuser auf die Wirbelsäulen-Chinologie setzen,
00:08:12: um dadurch eben wirtschaftlich mit anderen Krankenhäusern bestehen zu können.
00:08:17: Also ich habe jetzt schon sehr weit ausgeholt.
00:08:20: Ich habe eine ehrlich, sehr lange Einleitung zu dem Thema gemacht
00:08:25: und nun will ich mich mal doch schon auf das Thema fokussieren.
00:08:29: Und ich will auch nochmal betonen, dass natürlich Stabilisierungseparationen durchaus sinnvoll sein können,
00:08:35: dann auch Probleme lösen und Beschwerden beseitigen.
00:08:40: Aber die Betonung liegt auf Stabilisierungseparationen.
00:08:43: Ich habe bewusst nicht den Begriff Versteifung gewählt, sondern eben dem Begriff Stabilisierung.
00:08:51: Stabilisierung bedeutet, ich versuche, etwas wieder festzumachen, was vorher wackelig war.
00:08:58: Das ist eben wie woanders auch, wenn ich ein Stuhl habe, wo das Bein wackelt,
00:09:04: dann ist das Sitzen also nicht mehr so ganz schön und der kann jetzt endlich auch zusammenbrechen.
00:09:08: Und ich bin bemüht, natürlich dann eben dieses Stuhlbein wieder zu befestigen und zu fixieren.
00:09:14: Also wie gesagt, es geht nicht darum zu versteifen, weil versteifen umgesuggeriert,
00:09:20: man würde etwas festmachen, was vorher beweglich war, zum Beispiel ein Rad am Fahrrad.
00:09:25: Das macht ja keinen Sinn, ein Rad am Fahrrad zu versteifen, denn funktioniert das Fahrrad ja nicht mehr.
00:09:30: Also ich will ja nicht eine sinnvolle Bewegung blockieren.
00:09:34: Ich denke, am besten kann man eine Instabilität bei einem Wirbelsäulenbruch nachvollziehen.
00:09:40: Das ist ja irgendwie einleuchtend.
00:09:43: Wenn die Wirbelsäule gebrochen ist, das heißt, alles ist irgendwie kaputt, der Wirbelkörper,
00:09:48: vielleicht auch noch die Wirbelgelenke, die Bandscheibe, die Muskulatur ist gezehrt,
00:09:51: vielleicht das Ganze auch nochmal verschoben nach einem schweren Unfall, dann ist das irgendwie instabil.
00:09:58: Und dann ist natürlich schon irgendwie der Gedanke da, das Ganze wieder ordentlich auszurichten
00:10:04: und dann halt zu befestigen, damit es eben entsprechend ausheilen kann.
00:10:10: Schwieriger ist die Situation eben bei den sogenannten degenerativen Instabilitäten.
00:10:16: Da ist halt die Frage, ja, was sind jetzt die Kriterien für eine Instabilität?
00:10:21: Man kann ja, das habe ich bereits in dem Podcast Wirbelgleiten erläutert, sogenannte Funktionsaufnahmen machen,
00:10:28: wo man dann vielleicht im Verschiebung von Wirbelkörpern sieht, wie es bei dem Wirbelgleiten in der Fall ist.
00:10:34: Man kann versuchen, in MRT-Lockerungen in Gelenken zu sehen, in dem der Gelenkspalt verbreitert ist
00:10:42: und Flüssigkeit eingelagert ist, vielleicht auch sogenannte Synovialzüsten,
00:10:46: das also Gelenksschleimhaut ist ausgestülpt, weil das Gelenk zu locker ist
00:10:51: und dadurch halt eben eine mögliche Instabilität vollzogen werden kann.
00:10:56: Das sind sozusagen die Bildkriterien.
00:10:59: Aber es geht uns ja nicht primär, das habe ich auch bereits betont, darum ein Bild zu korrigieren,
00:11:05: sondern die Frage ist natürlich, sind diese Bildkriterien oder passen diese Bildkriterien auch zu der Symptomatik des Patienten?
00:11:13: Und das habe ich auch schon mehrfach angeführt.
00:11:16: Das häufigste klassische Instabilitätssymptom ist eben dieser Anlaufschmerz,
00:11:23: dass man morgens, wenn man aufsteht, ganz starke Schmerzen hat, bis eben der Musketonus aufgebaut ist
00:11:29: und dann der Muskelapparat die Wirbelsäule wieder stabilisiert
00:11:33: und dann der Schmerz so nach 30 Minuten zumindest weniger wird.
00:11:38: Aber natürlich ist auch bei einer nachgewiesenen Instabilität
00:11:43: und eben auch der passenden Symptomatik des Patienten
00:11:47: auch nicht gleich der Griff zur Stabilisierungsoperation,
00:11:53: sondern auch da besteht natürlich die Möglichkeit zunächst konservativ zu therapieren.
00:11:58: Nicht jede Instabilität muss operativ behandelt werden,
00:12:03: weil manches kann man auch konservativ behandeln.
00:12:07: Und der Fokus liegt ja zunächst auf den Schmerzen.
00:12:10: Der Patient leidet ja nicht unter einer instabilen Wirbelsäule an sich,
00:12:14: sondern er leidet an Schmerzen, die eventuell verursacht sind durch eine instabile Wirbelsäule.
00:12:20: Ich kann natürlich erstmal versuchen den Schmerz zu beseitigen
00:12:23: und das kann man eben mit bestimmten Schmerzmedikamenten,
00:12:27: man kann es mit Injektionen machen, mit einer sogenannten Facettendenevation,
00:12:31: das haben wir auch schon im Podcast behandelt.
00:12:33: Und ich kann natürlich dann auch parallel, wenn der Schmerz nachlässt
00:12:36: und die Belastbarkeit des Patienten sich verbessert hat,
00:12:39: dann eben versuchen mit Physiotherapie oder intensiver Physiotherapie,
00:12:43: weil häufig ist es schon so, dass der Patient seine Physiotherapie nicht effektiv machen kann,
00:12:49: weil er eben einfach viele Schmerzen hat und dadurch bestimmte Übungen nicht machen kann,
00:12:54: so dass wenn der Schmerz genommen ist, dann eben intensive Physiotherapie,
00:12:58: um eben den Muskelband-Aparate zu kräftigen und dadurch die Instabilität dann doch wieder in Griff zu bekommen.
00:13:05: ohne dass man operieren muss. Ich will in dieser Stelle auch sagen, dass ich auch diesen Podcast zur
00:13:13: Frage der Stabilisierungsoperation und auch im ungesprachlich Versteifungsoperation an der
00:13:19: Wirbelsäule zweitgeteilt habe. Ich gebe erst mal einen allgemeinen Überblick und ich würde dann
00:13:24: nächste Woche bei unserem nächsten Episode dann differenzierter darstellen, wie so eine
00:13:31: Stabilisierung Operation abläuft und dann auch die Risiken noch vielleicht noch ein bisschen zur
00:13:37: Indikation, wie die postoperative Nachbehandlung erfolgt, wann man wieder Sicht belasten kann.
00:13:42: Also etwas so praxisnahe Informationen geben, deshalb auch schon jetzt mal halt die Aufforderung,
00:13:49: schauen Sie beim nächsten Podcast oder hören Sie beim nächsten Podcast wieder zu,
00:13:53: das wird ja auch nochmal spannend werden. Und wie gesagt, wenn Ihnen die Episoden gefallen,
00:13:58: wenn Sie Ihnen Anreiz geben oder Ihnen eine Hilfestellung geben bei Ihrer Entscheidungsfindung,
00:14:04: dann würde ich mich freuen, wenn Sie das entsprechend honorieren und bei Ihrem Podcast Provider dann
00:14:13: ein Like geben oder ein Kommentar. Das hilft mir weiter und das hilft natürlich auch, dass unser
00:14:18: Podcast oder mein Podcast dann in den Suchergebnissen weiter vorne landet und natürlich dann auch die
00:14:25: Patienten darauf aufmerksam werden. Vielen, vielen Dank. Jetzt also weiter im Thema Stabilisierung
00:14:31: Operation und bei einer Stabilisierung Operation wird ein sogenannte Fixateur intern implantiert.
00:14:39: Das ist heutzutage, wie man schon sozusagen nichts Besonderes, sehr, sehr weit verbreitet,
00:14:46: aber die Technik besteht ja gar nicht mal so lange. Die Technik kommt ja letztendlich aus der
00:14:53: Frakturbehandlung an den Extremitäten. Also wenn ich jetzt irgendwie mit den Fuß gebrochen habe,
00:14:59: dann wurde er ursprünglich irgendwie behandelt und dann halt in Gips ausgeheilt. Aber wenn eben
00:15:06: halt die Knochen nicht so optimal standen, dann musste das ja irgendwie raponiert werden. Das heißt,
00:15:13: die mussten ja irgendwie wieder in Position gebracht werden und dann halt in dem Gips fixiert
00:15:17: werden, aber manche Frakturen waren schon so komplex oder so schwierig, dass das eben mit dem
00:15:23: Gips nicht funktionierte und dann gab es einen Herrn Schanz und der hatte dann die sogenannte
00:15:27: Schanzschraube entwickelt und diese Schanzen schrauben wollen dann in die entsprechenden
00:15:31: Knochenfragmente eingebracht und dann wurde das Ganze mit einem Fixateure extern in Position
00:15:38: gehalten und konnte dann entsprechend aushalten. Das war auch durchaus gut belastbar. Durch die
00:15:44: positive Erfahrung, die man in der Frakturbehandlung der langen Röhrenknochen gesammelt hat, hat man
00:15:51: sich dann auch überlegt, na ja, kann man das nicht auch für die Wirbelsäule irgendwie anwenden,
00:15:55: weil da hat man das gleiche Problem gehabt nach schweren Unfällen. Mit komplizierten Wirbelsäulen
00:16:01: Brüchen, Wirbelkörperbrüchen war es dann nicht so einfach, das Ganze wieder irgendwie durch Zug
00:16:07: in Position zu bringen und dann irgendwie im Gipsbett oder dann als die ersten Operationstechniken
00:16:13: eingeführt worden sind, damit irgendwelchen Drahtzerklagen oder Hakenstabsysteme gut in
00:16:18: Position zu halten. Da hat dann jemand auch die Schanzenschrauben genommen. Das war in den
00:16:24: 70er Jahren, hat man damit angefangen und hat die Schanzenschrauben über die sogenannten
00:16:29: Pedickel dann in die Wirbelkörper eingebracht und konnte mit diesen langen Schanzenschrauben,
00:16:34: die aus der Haut, also herausgeguckt, haben dann eben die Wirbelsäule wieder ausrichten und dann
00:16:41: wurde eben auch durch einen Fixateure extern das Ganze dann in Position gehalten. Ja, das ist
00:16:49: natürlich auch nicht gerade eine, sagen wir mal, sehr bequeme Angelegenheit, wenn man dann irgendwie
00:16:55: die Schrauben aus den Rücken rausgucken hat und das Ganze mit irgendeinem Gestell verbunden ist.
00:17:00: Das macht ja das Schlaf nicht gerade einfach und auch die Körperpflege, also das Ganze war
00:17:04: natürlich schon mit vielen Problemen behaftet. Die Frage war natürlich, wie lange muss das denn so
00:17:09: bleiben und wenn das dann über Monate war, dann gab es natürlich auch Infektionen an den Schrauben
00:17:15: ausgehend etc. So dass natürlich man sich schon bemühte irgendwie das Ganze, will man sagen,
00:17:22: nach innen, das heißt unter die Haut zu verlagern. Das ist dann in 80er Jahren umgesetzt worden und die
00:17:28: Herausforderung bestand darin, dass man irgendwie was finden musste, wie man eben die Schrauben,
00:17:35: also die schanzen Schrauben mit einem Stab verbinden kann und das Ganze halt möglichst klein,
00:17:42: dass es sozusagen unter die Haut passt und Wirbelsohne nah angelegt werden kann und da hat man
00:17:48: dann ein zunächst ein Klemmbackensystem entwickelt und über dieses Klemmbackensystem konnte das
00:17:54: Ganze im Wickelstabil gemacht werden und dadurch halt eben mit sehr guten Ergebnissen eine Wirbelkörperfaktur
00:18:03: behandelt werden. Ich habe ja auch mit der Wirbelsohncheologie Anfang der 90er Jahre angefangen. Da habe
00:18:10: ich auch zunächst mit diesem Klemmbackensystem bei Frakturen angefangen und diese Klemmbackensysteme
00:18:16: waren schon durchaus kompliziert und auch etwas fummelig und man konnte damit ganz gut so
00:18:24: kurzstreckig das Ganze fixieren, ein Segment, zwei Segmenten, aber je langsträgiger es wurde,
00:18:30: desto schwieriger bis ganz unmöglich hat das Ganze wieder gut miteinander zu verbinden, weil eben
00:18:35: diese Klemmbackensysteme sehr regide waren und wenn nicht alles optimal in eine Linie lag,
00:18:42: schwierig anzubringen. Dann war der nächste Schritt, waren die sogenannten Tulpenschrauben und die
00:18:49: Tulpenschrauben sind wirklich eine sehr, sehr gute Erfindung. Da kann man sich vorstellen, dass
00:18:53: der Schraubenkopf, der ist halt wie eine Tulpe und dann kann man eben den Stab von oben in diesen
00:18:59: Schraubenkopf einbringen und dann eben mit so einer einen Setskrüger, also mit einer Verschlussschraube
00:19:04: fixieren. Und zunächst gab es so starre Tulpenschrauben und das war nicht auch so ein bisschen
00:19:10: nachteilig, weil man musste natürlich auch alle schön in eine Linie sein, damit man eben den
00:19:14: Stab da gut einbringen kann oder man muss den Stab so ein bisschen verbiegen, damit er gut
00:19:18: eingebracht werden kann. Aber wie gesagt, das Ganze passierte von oben relativ einfach und die
00:19:22: nächste Erfindung war die so einen poliaxialen Tulpenschrauben. Das heißt, der Schraubenkopf war
00:19:27: über ein Kugellager beweglich, war natürlich dadurch super. Man musste also nicht so optimal die
00:19:34: Schraube einbringen, konnte trotzdem gut den Stab in diese Tulpe einbringen und dann mit so einer
00:19:39: Setskrüger fixieren. Auch da gab es auch sehr, sehr viele Repositionsmöglichkeiten, um verbessuell
00:19:45: auszurichten etc. So dass durch die Erfindung der Tulpenschrauben die Systeme wesentlich
00:19:50: vereinfacht worden sind und dadurch auch eben die Anwendungsgebiete. Während eben diese Klemmbackensysteme
00:19:57: schon sehr auf die Fraktur limitiert waren, man konnte damit auch monosegmental ist, wir begleiten
00:20:04: auch ganz gut, behandeln aber eben zu skondotischen Defamitäten oder so etwas, wo eben doch Langsträckiger
00:20:10: operiert werden sollte, ging das also nicht so gut. Das ging also mit den Tulpenschrauben dann
00:20:15: schon wesentlich besser. Da gab es auch viel, viel mehr Implantathersteller. Das Ganze hat
00:20:21: angefangen mit so kleinen Gruppen von Implantatherstellern, wo die Ingenieure selbst noch an dem
00:20:27: Problem gearbeitet haben, an der Problemlösung, aber als das Ganze mal so sein, die Massenproduktion
00:20:32: ging und die Implantathersteller sozusagen den Markt übersäten, dann war natürlich ganz klar,
00:20:39: dass halt dann natürlich auch eben nach Anwendungen gesucht worden ist. Also man hatte jetzt irgendwie
00:20:45: ein Produkt und das musste ja irgendwie verbreitet werden und die Frage war halt ja,
00:20:49: wem kann ich das alles anbieten? Das heißt Marketing erkennt neue Zielgruppen. Ein gutes Beispiel
00:20:57: finde ich immer, das ist es Viagra, jeder kennt das wahrscheinlich zumindest so vom Hör und sagen.
00:21:01: Viagra und das wissen vielleicht die wenigsten, wurde ursprünglich als Mittel gegen Blutdruck
00:21:08: erfunden und man hat dann irgendwie festgestellt, oh, das funktioniert auch ganz gut gegen
00:21:14: Errektionsstörungen und heutzutage wird wahrscheinlich der Umsatz bei Viagra in erster
00:21:21: Linie über Therapie von Errektionsstörungen gemacht und weniger über die Therapie gegen
00:21:26: Blutdruck. Und so ist es halt bei den Fixationssystemen auch, also die wenigsten Fixationssysteme oder
00:21:33: der geringeren Umsatz erfolgt über die Frakturbehandlung. Der viel höhere Umsatz erfolgt über
00:21:41: die Behandlung von degenerativen Störungen an der Wirbelsäder und wie gesagt auch durch die
00:21:48: Verbesserung, durch die Vereinfachung der Implantate, wurde eben möglich, dass viele,
00:21:54: viele Anwender neu hinzukamen und das Ganze dann eben schon deutlich an Verbreitung gewann.
00:22:02: Ja, ich will mal zusammenfassen, bevor wir dann halt nächste Woche Episode Teil zwei zur
00:22:09: Wirbelsäden Fixation bringen, wo wir dann oder wo ich dann mehr in die Details gehe, wie das Ganze
00:22:15: praktisch erfolgt und wie das Ganze dann eben fast praktisch nachbehandelt wird und im Versuch
00:22:21: einzelne Fragen zu beantworten, die Patienten auch an mich richten, wenn sie zu mir in die
00:22:25: Praxis kommen und eben ein entsprechender Eingriff zur Diskussion steht. Ja, zusammengefasst, wie
00:22:32: gesagt, Wirbelsäden Versteifung, ein Begriff, den ich nicht so gerne verwende, weil er suggeriert
00:22:37: irgendwie, als ob etwas, was beweglich war, plötzlich nicht mehr beweglich wird. Prinzipiell
00:22:43: geht es eher um die Frage der Wirbelsäden Stabilisierungen. Das heißt, wir wollen etwas
00:22:49: stabilisieren, was instabil ist. Wir wollen sozusagen ein wackeliges Stuhlbein, was keinen
00:22:54: Nutzen hat, was Risiken in sich birgt, wieder befestigen, damit man eben darauf sicher sitzen kann.
00:23:02: Und uns geht es natürlich auch darum, Wirbelsäden Instabilitäten auch sicher zu diagnostizieren,
00:23:09: als Ursache von Beschwerden. Ich hatte ja schon gesagt, prinzipiell kommt das Ganze natürlich
00:23:16: aus der Frakturbehandlung, wo eben Instabilitäten wesentlich klarer zu diagnostizieren sind und
00:23:22: natürlich dann auch wesentlich klarer die Behandlungskonzepte sind. Bei diesen ganzen degenerativen
00:23:29: Instabilitäten der Formitäten ist das wesentlich schwieriger. Prinzipiell geht es schon mal um die
00:23:35: Frage, hat das Ganze überhaupt mit den Beschwerden des Patienten zu tun, ist die Instabilität oder
00:23:41: die Formität die Ursache für die Beschwerden des Patienten, kann ich das Ganze auch mit einer
00:23:47: aufhändigen Operation überhaupt lösen oder gibt es nicht vielleicht alternative Möglichkeiten,
00:23:52: die wesentlich einfacher sind, muss ich immer, wie ich mal sagen, den kompliziertesten Weg wählen
00:23:59: oder sollte ich nicht lieber nach der einfachen Lösung suchen. Ich hatte auch schon angedeutet,
00:24:04: dass leider eben der Trend Richtung komplexe, komplizierte Eingriffe geht, weil einfach die
00:24:11: Technik uns auch so ein bisschen in diese Richtung pusht, weil immer neue Dinge erfunden werden,
00:24:16: wie die Robotik, Navigation, Intrapartivist-City, also sehr viel technisches und kostenintensives
00:24:22: Know-how, was natürlich sich dann auch amortisieren muss. Das heißt, ich habe die ganzen Tools bei
00:24:29: mir im OP und dann sucht man natürlich nach entsprechenden Anwendungsgebieten und nach
00:24:36: entsprechenden Patienten. Also besser machen als nicht, dann ist man eher auf der Suche nach den
00:24:40: einfachen Lösungen. Prinzipiell geht es ja schon darum, eine Lösung zu finden, die für den Patienten
00:24:47: mit dem größten Benefit einhergeht. Und ich hatte auch schon gesagt, dass leider die Entgelte auch
00:24:53: so ein bisschen manchmal an die falsche Richtung gehen, dass die komplexe Eingriffe, dass du höre
00:24:57: das entgelst, sollte eher darauf ausgerichtet sein, was kommt unten raus, wie ist die Zufriedenheit des
00:25:05: Patientinnen. Und wenn ich eben ein Problem mit einfachen Lösungen zu sagen lösen kann, dann
00:25:11: sollte eben auch das Entgelt nicht dadurch eben sehr, sehr, sehr gekürzt werden, weil dann pusht
00:25:19: mir das Ganze ein bisschen in die falsche Richtung, Richtung komplexe Eingriffe. Wenn Fragen zu dem
00:25:23: Thema sind, dann würde ich mich sehr freuen, wenn Fragen und Kommentaren gemacht werden,
00:25:28: beziehungsweise wenn Fragen direkt an mich gerichtet werden, dann kann ich auch in die
00:25:32: nächsten Episoden auf diese Fragen eingehen. Und ich mache auch immer wieder Episoden, wo ich mir
00:25:38: Fragen aufgreife und Fragen, die besonders häufig vorkommen, dann eben abhandle, weil diese sind
00:25:44: natürlich dann schon eben von breiten Interesse. Und ich bin natürlich so diese Interaktion,
00:25:49: das ist für mich sehr wichtig, weil ich will Patienten nach meine Episoden gestalten und auch
00:25:55: wirklich nur die Themen aufgreifen, die eben von Interesse sind. Und ich habe zum Beispiel gesehen,
00:25:59: dass die Episode über das Werbegleiten sehr, sehr interessant war, scheinbar. Und dann hat
00:26:03: die Hörer dazu angeregt, die Episode herunterzuladen, was mich natürlich sehr gefreut hat.
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